Bei „Weißen Gold“ ist Handarbeit gefragt
Die Spargelernte hat mit zwei Wochen Verspätung begonnen – Eindrücke von den Feldern des Rheingönheimer Landwirts Frank Fischer

VON JOCHEN WlLLNER Mit Verspätung hat die Spargelzeit in der Pfalz begonnen. Auch im Ludwigshafener Stadtteil Rheingönheim wird das „Weiße Gold“ wieder geentet. Wir haben Landwirt Frank Fischer dabei begleitet. Ein kalter Wind bläst über die Felder. Frank Fischer zieht seine Wollmütze über. Der 44 Jahre alte Landwirt hofft auf wärmere Temperaturen. Nicht, dass der Rheingönheimer ein ausgesprochener Sonnenanbeter wäre. Doch sein Spargel braucht Sonne und Wärme, damit das Wachstum nicht weiter gehemmt wird. Trotz Temperaturen um fünf Grad Celsius steht Fischer am frühen Morgen .mit seinen acht Saisonbeschäftigten auf den mit zwei Folien überzogenen Spargel dämmen in der Nähe des Adamshofs. 60 Reihen Spargel hat der Landwirt dort angepflanzt. Und trotz der Kälte kann er gestochen werden.

Der erste Spargel ist da. Zwar mussten die Genießer des königlichen Gemüses in diesem Jahr noch an Ostern weitestgehend darauf verzichten, doch die Frühlingswärme der vergangenen Tage hat ausgereicht, um die Köpfe des Spargels an die Erdoberfläche wachsen zu lassen. „Wir sind diesmal 14 Tage später als sonst“, sagt Fischer. Da hilft auch alle Technik nichts. Fischer hat die Dämme aus sandigem Lehmboden zunächst mit Schwarzfolie und darüber noch mit einer durchsichtigen Tunnelfolie zur Ernteverführung abgedeckt.

Seine beiden aus Rumänien stammenden Vorarbeiter Peter und Theo heben die Folie von den Dämmen. Die ersten Spargel haben die Erdkruste aufgebrochen und kommen zum Vorschein. Mit der Hand schaufelt Erntehelfer Bogdan die Erde um den Spargel frei, dann sticht er mit dem 35 Zentimeter langen und scharfen Spargelmesser in den Erdboden und trennt die Stange von der Wurzel. Fingerspitzengefühl ist gefordert. „Wichtig ist, dass der Spargel schonend gestochen wird“, erklärt Fischer. Bogdan legt den Spargel auf den. Damm, und schon schaufelt er die nächste Stelle frei, um erneut die Delikatesse aus dem Boden zu holen. Auf knapp 3,5 Hektar werden  in dem Betrieb verschiedene Sorten Spargel angebaut.

Der Vorgang wiederholt sich zigfach an diesem Morgen. Bereits seit 6 Uhr sind die Mitarbeiter auf dem Spargelfeld. Knapp 3,5 Hektar hat der Rheingönheimer Landwirt im Anbau. „Es gibt auch späte Sorten, die wir jetzt noch nicht stechen“, sagt er. Die aus den Niederlanden stammende Sorte Gijlim steht derzeit hoch im Kurs. Die rumänische Mitarbeiterin Christina legt den geernteten Spargel in den Korb. Binnen einer Stunde hat die junge Frau sieben bis acht Kilogramm geschafft und bringt ihre Ausbeute zur Sammelstelle am Wegesrand. Die Dämme werden wieder mit Folien abgedeckt und die nächsten vier Meter aufgeschlagen.

Es ist alles geregelt. Auf einer Länge von 27 Zentimetern stechen die Erntehelfer die Spargelstangen. Für den Verkauf ist eine Mindestlänge von 22 Zentimetern vorgesehen. Vorarbeiter Theo bringt alle zwei Stunden den gestochenen Spargel zurück auf den Hof im Assenheimer Weg. Dort kommt der Spargel für zwei Stunden in ein Wasserbecken. Der Schmutz löst sich und der Kühlungsprozess des Spargels wird eingeleitet.

Diese Aufgaben übernimmt Fischers Ehefrau Karin. Der Spargel wandert in ein Eisbad bei zwei Grad Celsius. „Das ist die eigentliche Kühlung“, ‚erläutert ihr Mann. Dann landet .das Gemüse auf dem Band der Sortieranlage. „Überlange“ Spargel werden maschinell gekürzt. Am Ende des fast zehn Meter langen Bands hat Karin Fischer drei Körbe in Blau, Gelb und Grün bereitgestellt. Die Farben kennzeichnen die jeweiligen Klassen. „Derzeit machen wir neun Sortierungen“. sagt der Erzeuger, der 60 Prozent seines Spargels über den Großhandel vermarktet. „Noch eine Schippe Eis“, ruft Frank Fischer, ehe die Körbe bis zum Abtransport im Kühlhaus eingelagert werden. Die ersten Saisonarbeiter kommen gegen 12 Uhr vom Feld zurück. Das Spargelstechen ist für heute beendet.

Nach einer zweistündigen Pause helfen die osteuropäischen Beschäftigten beim Sortieren in der Halle mit. Da ist Frank Fischer schon wieder unterwegs. Er bringt frischen Spargel zu den drei Verkaufsläden in Rheingönheim und Altrip. „Meine Kunden wollen jetzt endlich Spargel“, freut sich Fischer über die Resonanz.

 

Die Rheinpfalz, Nr. 99, 29. April 2013 Autor: Jochen Willner

Veröffentlichung mit Genehmigung der Redaktion